Institutsgeschichte

Grün­dung:

Der Tätigkeitsbericht des Instituts von 1954-55
Der Tätigkeits­bericht des Insti­tuts von 1954–55 (Bestandteil der Bib­lio­thek)

Anfang 1954 ergreifen die Pro­fes­soren des Fach­bere­ichs Rechtswis­senschaft der Rechts- und Wirtschaftswis­senschaftlichen Fakultät der Uni­ver­sität des Saar­lan­des die Ini­tia­tive zur Grün­dung eines “Insti­tuts für Ver­gle­ichung und Annäherung des Europäis­chen Rechts” (Insti­tut pour la com­para­i­son et les rap­proche­ments des dif­fer­ents droits européens). Nach der Grün­dung­surkunde vom 9. April 1954 ist es das Ziel des Insti­tuts, “die Rechte Europas zu erforschen, zu ver­gle­ichen und ihre Annäherung zu fördern”. Die Insti­tutsgrün­dung ist von dem Gedanken getra­gen, dass in ein­er Zeit zunehmender gegen­wär­tiger Abhängigkeit und Ver­flech­tung der Staat­en vor allem im engeren Bere­ich der europäis­chen Inte­gra­tion die Förderung aus­land­srechtlich­er und rechtsver­gle­ichen­der Forschun­gen eine evi­dente Notwendigkeit darstellt.


Entwick­lung:

Das Insti­tut ver­ste­ht sich zunächst als reines Forschungsin­sti­tut. Für seinen Forschungs­ge­gen­stand, die Recht­sor­d­nun­gen der Län­der Europas im Hin­blick auf ihre Gemein­samkeit­en, Unter­schiede und Beson­der­heit­en, set­zt sich schnell die Beze­ich­nung “Europäis­ches Recht” durch. Daher erhält das Insti­tut schon ab 1957 den neuen Namen “Insti­tut für Europäis­ches Recht”. In diesen Jahren ist von einem (supra­na­tionalen) “Euro­parecht” noch kaum die Rede; die Römis­chen Verträge zur Grün­dung der Europäis­chen Wirtschafts­ge­mein­schaft treten erst 1958 in Kraft. Durch die Grün­dung der EWG erweit­ert sich der Auf­gaben­bere­ich des Insti­tuts, das sich in den ersten Jahren seines Beste­hens auf drei Bere­iche konzen­tri­ert:

  1. Die Ver­gle­ichung der nationalen Rechte in Europa
  2. Die Prob­leme der Rechtsvere­in­heitlichung Recht­san­gle­ichung in Europa
  3. Das Recht der Europäis­chen Organ­i­sa­tio­nen

Der Begriff “Europäis­ches Recht” wird Mitte der 60er Jahre vom “Komi­tee für das ver­gle­ichende Studi­um der Rechte der Europäis­chen Staat­en” des Europarats im Sinne jen­er Dre­it­eilung definiert. Für das Recht der Europäis­chen Organ­i­sa­tio­nen set­zt sich in Deutsch­land aber der Begriff “Euro­parecht” durch.

20-Jahr-Feier des Centre d' Études Juridiques Francaises (von rechts: Prof. Dr. Charles Zorgbibe, Universitäts-präsident Faillard, Prof. Dr. Paul-Marie Gaudemet), Februar 1976
20-Jahr-Feier des Cen­tre d’ Études Juridiques Fran­cais­es (von rechts: Prof. Dr. Charles Zorg­bibe, Uni­ver­sität­spräsi­dent Fail­lard, Prof. Dr. Paul-Marie Gaudemet), Feb­ru­ar 1976

Das Insti­tut für Europäis­ches Recht arbeit­et seit seinem Beste­hen und bis heute eng mit dem “Insti­tut für das Studi­um des Franzö­sis­chen Rechts — Cen­tre d’Études Juridiques Français­es” zusam­men, das im Zuge der Eingliederung des Saar­lan­des in die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land gegrün­det und später in “Cen­tre Juridique Fran­co-Alle­mand (CJFA)” umbe­nan­nt wurde. Auch kommt es in ver­schiede­nen Reor­gan­i­sa­tion­ss­chrit­ten Anfang der 80er Jahre zur Aus­gliederung des Arbeits­feldes des Rechts der europäis­chen Organ­i­sa­tio­nen und damit des Euro­parechts, das den Schw­er­punkt eines neu gegrün­de­ten “Europa-Insti­tuts” der Uni­ver­sität des Saar­lan­des bildet und dessen Sek­tion Rechtswis­senschaft den Auf­baus­tu­di­en­gang zur europäis­chen Inte­gra­tion zum Erwerb des Mag­is­ter­grades “LL.M. (Eur.)” durch­führt.

Heute beste­hen — neben dem CJFA — das Europa-Insti­tut und das Insti­tut für Europäis­ches Recht mit getren­nten Auf­gaben, Räum­lichkeit­en und Bib­lio­theken und ver­schiede­nen Lehrstühlen nebeneinan­der. Das Insti­tut für Europäis­ches Recht beschäftigt sich in der Lehre und der Forschung vor allem mit der Ver­gle­ichung und Har­mon­isierung der Recht­sor­d­nun­gen der Län­der Europas sowie mit ihrem Inter­na­tionalen Pri­vat- und Prozeßrecht. Sein­er Lehr- und Forschungs­ge­gen­stand im Sinne der Gemein­samkeit­en, Unter­schiede und Beson­der­heit­en der Recht­sor­d­nun­gen und Recht­skul­turen der europäis­chen Mit­glied­slän­der, umfasst in beson­der­er Weise das Pri­vat- und Wirtschaft­srecht der Län­der der europäis­chen Union.

Das Insti­tut für Europäis­ches Recht ver­wirk­licht seine Ziele durch Forschungstätigkeit, durch ein­schlägige Lehrver­anstal­tun­gen, durch die Betreu­ung von Dok­toran­den im europäis­chen Recht, durch beson­dere Vor­tragsver­anstal­tun­gen sowie durch die Erstat­tung von Rechtsgutacht­en für Gerichte und Behör­den zu Fra­gen des Inter­na­tionalen Pri­va­trechts und des Aus­land­srechts. Die Bib­lio­thek des Insti­tuts für Europäis­ches Recht bildet mit ihrem Bestand von etwa 90.000 Büch­ern aus dem Bere­ich des Rechts der europäis­chen Län­der, der Rechtsver­gle­ichung und des Inter­na­tionalen Pri­vat- und Prozess­recht, einen geson­dert aus­gewiese­nen und ver­wal­teten Teil des Deutsch-Europäis­chen Juridicums (DEJ) der Abteilung Rechtswis­senschaft der Fakultät. Das Insti­tut sam­melt vor­wiegend Recht­slit­er­atur der wes­teu­ropäis­chen Nach­bar­län­der. Die Bib­lio­thek hat namentlich auf den Gebi­eten der franzö­sis­chen, bel­gis­chen, nieder­ländis­chen, aber auch der ital­ienis­chen und englis­chen Recht­slit­er­atur einen über­re­gionalen Ruf. Beson­ders her­vorzuheben sind in diesem Zusam­men­hang die Samm­lun­gen des Insti­tuts zum franzö­sis­chen, bel­gis­chen und nieder­ländis­chen Rechts des 19. Jahrhun­derts, die selb­st in unver­gle­ich­lich bess­er dotierten Spezial­bib­lio­theken der Bun­desre­pub­lik nicht ihres­gle­ichen find­en.

Fern­er obliegt dem Insti­tut für Europäis­ches Recht die Leitung und Durch­führung des ein­jähri­gen Auf­baus­tu­di­en­gangs für aus­ländis­che Juris­ten zur Ein­führung in die deutsche Recht­sor­d­nung und in die Rechtsver­gle­ichung. Der Auf­baus­tu­di­en­gang wird mit dem akademis­chen Grad “Magister/Magistra gen­er­alis des deutschen Recht — LL.M. (gen.)” abgeschlossen. Das Insti­tut für Europäis­ches Recht ist auch für die Organ­i­sa­tion und Admin­is­tra­tion von Aus­tauschbeziehun­gen mit anderen Uni­ver­sitäten der europäis­chen Nach­bar­län­der, ins­beson­dere für die Entsendung von Saar­brück­er Stu­den­ten zu den Part­neruni­ver­sitäten sowie für die Betreu­ung aus­ländis­ch­er Gast­stu­den­ten ver­ant­wortlich. An dem LL.M.-Aufbaustudiengang des Insti­tuts nehmen jährlich junge aus­ländis­che Juris­ten teil, nicht nur aus den europäis­chen Nach­bar­län­dern, son­dern auch aus anderen Teilen der Welt, etwa aus Südafri­ka, Chi­na, Japan usw. Zu den Auf­gaben­bere­ichen des Insti­tuts gehört auch die Durch­führung des tri­lat­eralen zwei­jähri­gen Mas­ter-Begleit­stu­di­en­gangs, der mit ein­er der franzö­sis­chen (Lille) und mit ein­er der englis­chen (War­wick) Part­neruni­ver­sitäten durchge­führt wird und an dem von jed­er der drei Part­neruni­ver­sitäten pro Jahrgang fünf Stu­den­ten teil­nehmen.


Direk­toren:

Von sein­er Grün­dung an und mehr als 25 Jahre lang wurde das Insti­tut für Europäis­ches Recht von Pro­fes­sor Dr. Bern­hard Aubin geleit­et. Später über­nahm Pro­fes­sor Dr. Gün­ther Jahr und ab 1994 Pro­fes­sor Dr. Dr. Michael Mar­tinek, zeitweise unter­stützt von Pro­fes­sor Dr. Fil­ip­po Ranieri die Leitung. Seit 2008 sind Pro­fes­sor Dr. Dr. h.c. Tiziana Chiusi und Pro­fes­sor Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Mar­tinek die Ko-Direk­toren des Insti­tuts.